Beelen: Bericht zur Stolpersteinverlegung

Journalist: „Stolpersteine – das klingt doch irgendwie gefährlich, man stolpert und verletzt sich, oder?“
Schüler: „Nein, nein – im Gegenteil. Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen!“

Am Samstag, den 6. März fand in Beelen eine Gedenkveranstaltung zur Verlegung von vier Stolpersteinen für die Familie Baer statt. Der jüdischen Familie aus Beelen, die im Nationalsozialismus gezwungen war, Deutschland zu verlassen, um zu überleben, wurde somit an zentraler Stelle – am Marktplatz, dort, wo ihr Wohnhaus stand – 65 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus eine bleibende Gedenkstätte errichtet.

Die Verlegung der Stolpersteine

Knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten – trotz eisiger Kälte, aber bei strahlendem Sonnenschein – die von der lokalen Jugendinitiative „Aktiv gegen Rassismus“ (AgR) initiierte und organisierte Veranstaltung auf dem Beelener Marktplatz, die neben zahlreichen Redebeiträgen – u.a. zur Geschichte der Familie Baer – auch ein zu diesem Anlaß verfasstes, sehr bewegendes Gedicht eines Beelener Dichters umfaßte. Auch der Initiator des Projekts „Stolpersteine“, Gunter Demnig, war anwesend und fand sehr eindrückliche Worte – Worte, die zeigten, dass er auch nach 10 Jahren Stolpersteinverlegung in über 500 Orten in Deutschland und Europa keine Spur von gleichgültiger Routine gegenüber seinem Projekt entwickelt hat.

Ein spannender Vortrag

Im Anschluß an die Gedenkveranstaltung folgte über die Hälfte der Anwesenden der Einladung der Initiative „Aktiv gegen Rassismus“ in das örtliche Jugendzentrum – erfreulicherweise auch viele ältere Beelener Bürgerinnen und Bürger. Bei Kaffee und Kuchen hielt Michael Sturm, Mitarbeiter von mobim (Mobile Beratung im Regierungsbezirk Münster – Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie) einen sehr spannenden und informativen Vortrag zur Entwicklung der bundesdeutschen Denkmals- und Gedenkkultur an den Nationalsozialismus und die Opfer des NS. In der anschließenden Diskussion bemerkte eine Beelenerin kritisch, das auch heute noch an vielen Stellen das Gedenken an Opfer des NS gegenüber dem Gedenken an Mittäter zu kurz komme: Ein gutes Beispiel dafür sei so manche Kirche, in der sich auch heute noch Gedenktafeln für gefallene Wehrmachtssoldaten finden ließen, während dort für ermordete Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle oder behinderte Menschen keine solchen Orte des Gedenkens zu finden seien.

Insgesamt war es eine in jeder Hinsicht gelungene Veranstaltung, die zum Nachdenken ermutigte und ein wichtiges Zeichen gegen Rechts und für die Opfer in Beelen gesetzt hat.

Hintergrund – Das Projekt „Stolpersteine“

Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem Projekt an Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen STOLPERSTEINE in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

Homepage des „Stolpersteine“-Projekts


3 Antworten auf „Beelen: Bericht zur Stolpersteinverlegung“


  1. 1 Thomas Neukötter 21. März 2010 um 0:47 Uhr

    Wenn wir in Deutschland den Völkermord an den jüdischen Mitbürgern vergessen, dann werden Naziparolen wieder greifen.
    Vergessen hilft den Feinden von Freiheit und Demokratie.
    Danke für die Stolpersteine in Beelen.

    Thomas Neukötter

  1. 1 Oelde: Stolpersteinverlegung « Antifaschistisches Netzwerk Kreis Warendorf Pingback am 04. Dezember 2011 um 5:19 Uhr
  2. 2 Freckenhorst: Stolpersteinverlegung am 1. März « Antifaschistisches Netzwerk Kreis Warendorf Pingback am 17. Februar 2012 um 4:19 Uhr
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