Top Link: Entdecke das Versteck von Anne Frank in 3D

Das Hinterhaus Online. Entdecke Anne Franks Versteck in 3D

In unserer neuen Reihe „Top Links“ – Netzseiten, die wir besonders empfehlenswert finden – stellen wir heute „Das Hinterhaus online. Erkunde das Versteck von Anne Frank in 3D“ vor.

Per Mausklick kann man hier das Amsterdamer Hinterhaus-Versteck des jüdischen Mädchens Anne Frank vor den nazideutschen Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg erforschen, ihr Leben, ihre Familie und die Geschichte ihres weltberühmten Tagebuchs kennenlernen.

Im Unterschied zum Original-Hinterhaus, das nach seiner Plünderung durch die Nazis 1944 bis heute leersteht, zeigt die Onlineversion das Versteck so möbliert, wie es damals aussah, als es von den dort Untergetauchten bewohnt wurde. Auch können online einige Räume „besucht“ werden, die im Originalhaus aus Sicherheitsgründen nicht mehr durch Besucherinnen und Besucher betreten werden können.

„Das Hinterhaus online“ ist ein Projekt des „Anne Frank Haus“-Museums in Amsterdam.

„Eine Stimme spricht für sechs Millionen – nicht die Stimme eines Weisen oder eines Poeten, sondern die eines gewöhnlichen kleinen Mädchens.“
(I. G. Ehrenburg)

Wer war Anne Frank?

Am 12. Juni 1929 wird Annelies Marie Frank in Frankfurt / Main als Kind jüdischer Eltern geboren. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialist_innen 1933 emigriert ihr Vater Otto Frank nach Amsterdam, wo er Direktor der holländischen Niederlassung der deutschen Firma Opekta wird. Ein Jahr später folgt die Familie – Mutter Edith und die Töchter Anne und Margot – dem Vater nach Amsterdam. 1940 marschieren die deutschen Truppen in den Niederlanden ein, woraufhin sich die Situation der niederländischen Juden und Jüdinnen drastisch verschlechtert. Immer neue diskriminierende Sondergesetze nehmen ihnen zunehmend ihre Rechte. Mehr und mehr werden sie vom gesellschaftlichen Leben und allen öffentlichen Einrichtungen ausgeschlossen.

Auch im Exil ist die Familie Frank nun nicht mehr sicher. Aus Angst vor Deportation entschließt die Familie unterzutauchen und beginnt mit den entsprechenden Vorbereitungen.

Am 12. Juni 1942 bekommt Anne zu ihrem 13. Geburtstag ein rot-weiß kariertes Tagebuch (Foto 1, Foto 2) geschenkt, welches ihr von diesem Zeitpunkt an bis zu ihrer Verhaftung durch die Gestapo im August 1944 zur ständigen Begleiterin wird. Das Tagebuch führt sie ab September in Briefform, die „Briefe“ sind zunächst adressiert an mehrere fiktive Brieffreundinnen – denn ihren echten Freundinnen und Freunde kann sie nun nicht mehr schreiben, geschweige denn sie sprechen oder gar treffen.

Drei Wochen später, am 5. Juli, erhält Margot einen Anruf: Sie hat sich zur Deportation in ein Arbeitslager zu melden. Schon am nächsten Tag versteckt sich daher die Familie Frank mit vier weiteren Menschen – früher als geplant – im Hinterhaus (niederl. Achterhuis) der Firma in der Prinsengracht 263 (Foto 1, Foto 2). Dort werden sie heimlich von holländischen Firmenangestellten versorgt.

Das Achterhuis ist ein dreistöckiges Gebäude an der Rückseite des Hauses (Zeichnung Achterhuis). Auf der ersten Etage gibt es zwei kleinere Zimmer mit Bad und Toilette, darüber ein großes und ein kleines Zimmer; von letzterem führt eine Leiter auf den Dachboden. Die Tür zum insgesamt rund 50 m² großen Hinterhaus wird mit einem Bücherregal verdeckt (Foto).

In ihrem Tagebuch schildert Anne das erzwungene Zusammenleben von acht Menschen auf engstem Raum ohne die Möglichkeit, dem auch nur stundenweise nach draußen zu entfliehen – die auch daraus resultierenden Spannungen und Konflikte – ein Leben auf Zehenspitzen bei zugezogenen Vorhängen, voller Ungewissheit … und immer wiederkehrender Angst vor Entdeckung. Anne schreibt auch über eine hoffnungsvollere Zukunft, in der sie ihren Wunsch, Schriftstellerin zu werden, verwirklichen kann. Darüber hinaus nehmen Themen wie Liebe und Sexualität, die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, existentielle Fragen über Gott, das Leben und die Welt viel Raum ein.

Im Sommer 1944 beginnt Anne, eine Reinschrift ihres Tagebuchs anzufertigen, um es nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Buch mit dem Titel “Het Achterhuis” zu veröffentlichen. Ihr letzter Eintrag ist auf den 1. August 1944 datiert – drei Tage später werden die acht Untergetauchten von der Gestapo verhaftet und deportiert. Bis heute ist nicht bekannt, wer das Versteck mit einem denunzierenden Anruf verraten hat.

Zunächst werden alle acht in das niederländische Durchgangslager Westerbork deportiert. Von dort werden sie in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht. Anne und ihre Schwester Margot werden letztendlich in das Konzentrationslager Bergen-Belsen überführt. Im März 1945, einige Wochen vor der Befreiung des Lagers durch die britische Armee, sterben Margot und Anne an Typhus.

Einziger Überlebender der acht Untergetauchten ist Otto Frank, der das Tagebuch seiner Tochter nach Kriegsende von Miep Gies – einer der Helferinnen der Familie in ihrem Versteck – überreicht bekommt. 1947 wird es erstmals veröffentlicht und seitdem in mehr als 55 Sprachen übersetzt. Es gibt mehrere Verfilmungen und Theaterstücke. 2009 wird das Tagebuch von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe („Memory of the World“) aufgenommen.

Das Versteck der Familie Frank ist heute ein Museum.

Das Grab von Anne Frank befindet sich auf dem Gelände der heutigen Gedenkstätte Bergen-Belsen. Da sie von den Nazis nicht menschenwürdig bestattet wurde, haben Angehörige nach der Befreiung des KZ einen Gedenkstein für sie und ihre Schwester Margot errichtet (Foto).

Anne Frank wurde 15 Jahre alt.


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