Sendenhorst: Diskussion um NS-Strassennamen (ergänzt)

Ob „Dichter“, Sportfunktionäre, Mediziner, Psychiater oder Schriftstellerinnen – auch in Westfalen diskutiert man zunehmend die Nazi-Vergangenheit lokaler und regionaler Berühmtheiten. Ihnen zu Ehren und Gedenken wurden in vielen Städten und Dörfern Strassennamen vergeben.

Doch mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum sogenannten „Dritten Reich“ wächst anscheinend die Bereitschaft zur Erkenntnis, dass der historische Nationalsozialismus kein Projekt allein eines Wahnsinnigen und einer kleinen Clique von Nazi-Größen gewesen ist – sondern eine erhebliche gesellschaftliche Breite gehabt hat und gehabt haben muss … anders lässt sich kaum erklären, wie man in nur 12 Jahren (!) sowohl Europa in Schutt und Asche als auch ein bislang einmaliges Menschheitsverbrechen begehen konnte.

Wie aber mit den einst geehrten Nazis im heutigen Straßenbild umgehen?

Abmontieren?
Umbenennen?
Ergänzende Hinweisschilder anbringen?
Nichts tun?

Dieser Frage will man sich nun auch verstärkt in Sendenhorst stellen: Dort geht es um die „Karl-Wagenfeld-Straße“ und die „Carl-Diem-Straße“.

Diem:

Maßgeblich an Planung und Durchführung der Olympischen NS-Propagandashow 1936 in Berlin beteiligt – leitender Reichssportführer – Glorifizierer europaweiter NS-Angriffkriege als „Siegeslauf in ein besseres Europa“.

Noch im März 1945 rief er Kinder und Jugendliche auf dem Berliner Reichssportfeld zum „finalen Opfergang für den Führer“ auf.

Wagenfeld:

Das „Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren“ zitiert abschließend Rainer Schepper zum Menschen- und Weltbild des Heimat“dichters“:

„Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in ‚Krüppel- und Idiotenanstalten‘, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistige Minderwertige.

Es ist jenes Menschenbild, das der Nationalsozialismus zur Errichtung seiner Ideologie vom Herrenmenschen und Untermenschen, zum Erlaß der Nürnberger Gesetze vom 16. September 1935, zur Euthanasie geistig und psychisch kranker Menschen, zum Kampf gegen alles ‚Artfremde‘, zum Krieg gegen ‚Frankreichs Haß‘ und ‚Polens Gier‘ benötigte und benutzte.“

Die öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung zu Wagenfeld, Diem und den nach ihnen benannten Strassen in Sendenhorst findet statt am

    Mittwoch, den 30. November, 19.00 h im Saal des Bürgerhauses.

Der Historiker Professor Dr. Hans-Ulrich Thamer (Universität Münster) referiert zum Thema.

Quelle: Ahlener Zeitung

Zu Carl Diem:

  • Wikipedia
  • „Monitor“-Beitrag
  • Zu Karl Wagenfeld:

  • Westfälischer Anzeiger: „Streit um Straßennahmen: Warnung vor `fragwürdigen Ehrungen´“ (12.07.11)
  • Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750-1950: Karl Wagenfeld
  • Ergänzt:

    Die Glocke: „Bürgerversammlung zum Thema Straßennamen“ (01.12.11)

    Ahlener Zeitung: „Belastete Straßennamen belasten Anlieger nicht“ (02.12.11)


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