Während Sendenhorst derzeit noch um seine „Karl-Wagenfeld-“ und seine „Carl-Diem-Straße“ diskutiert (wir berichteten), macht man in Ostbevern derweil Nägel mit Köpfen: Der nach dem überzeugten Rassisten und „Heimat“dichter benannte „Karl-Wagenfeld-Weg“ soll zukünftig „Bernhard-Thüssing-Weg“ heißen – so ein Artikel der Ahlener Zeitung.
Wir meinen: Das ist gut so!
Wer war Karl Wagenfeld?
Der 1869 in Lüdinghausen geborene und 1939 in Münster verstorbene Wagenfeld wuchs in Drensteinfurt auf. Der gelernte Volksschullehrer war Mitbegründer des „Westfälischen Heimatbundes“ im Jahr 1915, später auch Geschäftsführer sowie Vorsitzender des Vereins. Heute ist der „Westfälische Heimatbund“ mit Sitz in Münster der Dachverband der ca. 530 lokalen Heimatvereine und der ca. 650 ehrenamtlichen Ortsheimatpfleger in Westfalen und hat – laut seiner Homepage – ca. 130.000 Mitglieder.
Wagenfeld war darüber hinaus als Dichter zahlreicher Werke in plattdeutscher Sprache tätig und gilt als westfälischer „Heimat-“ und Brauchtumsforscher.
Karl Wagenfeld war überzeugt von einer angeblichen Existenz von „höher-“ und „minderwertigen Rassen“ und begrüßte die Machtübernahme der Nationalsozialist_innen als Erfüllung der Ziele der westfälischen Heimatbewegung.
Das „Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren“ zitiert abschließend Rainer Schepper zum Menschen- und Weltbild von Karl Wagenfeld:
„Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in ‚Krüppel- und Idiotenanstalten‘, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistige Minderwertige.
Es ist jenes Menschenbild, das der Nationalsozialismus zur Errichtung seiner Ideologie vom Herrenmenschen und Untermenschen, zum Erlaß der Nürnberger Gesetze vom 16. September 1935, zur Euthanasie geistig und psychisch kranker Menschen, zum Kampf gegen alles ‚Artfremde‘, zum Krieg gegen ‚Frankreichs Haß‘ und ‚Polens Gier‘ benötigte und benutzte.“
Karl Wagenfeld zu Ehren und Gedenken sind zahlreiche Straßen, Wege und Plätze überall in Westfalen nach ihm benannt worden. In diversen Städten tragen sogar Schulen seinen Namen – unter anderem in Oelde und Münster.
Hintergrund und Quellen:
Westfälische Nachrichten: „Umstritten. Kein ehrenwerter Mann – Karl Wagenfeld auf zahlreichen Straßennamen“ (18.02.11)
Westfälischer Anzeiger: „Streit um Straßennahmen: Warnung vor `fragwürdigen Ehrungen´“ (12.07.11)
Ahlener Zeitung: „Thüssing statt Wagenfeld: Weg wird umbenannt“ (09.12.11)
Wikipedia: Karl Wagenfeld
Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750-1950: Karl Wagenfeld
Stefan Werding: „Zu viel Ehre für Karl Wagenfeld?“ aus: Westfalenspiegel Heft 1/2011 (PDF, 2 Seiten)
1 Antwort auf „Ostbevern: Karl-Wagenfeld-Weg wird umbenannt“