Das hatten sie sich sicherlich so nicht erträumt, die bekennenden Nazis im Münsterland und in Ostwestfalen.
In Bielefeld blamierte sich am 24. Dezember ein Häufchen von 68 Neonazis mit einem Ein-Kilometer-Märschchen gegen das dort angesiedelte alternative Jugendzentrum AJZ. Beteiligt waren auch Neonazis aus dem Kreis Warendorf. Ihnen entgegen standen mindestens 6.500 Gegendemonstrant_innen, die die menschenverachtenden Parolen der Nazis nicht unwidersprochen lassen wollten.
Darüber hinaus hagelte es in Telgte noch eine Strafanzeige gegen neonazistische Plakatierer_innen …

Bielefeld – Ein braunes Häufchen
Der weihnachtliche Aufmarsch in Bielefeld war von Seiten der Nazis als Racheaktion gedacht: Eine Anfang August in Bielefeld geplante Neonazi-Kundgebung war von ca. 500 Gegendemonstrant_innen bereits am Hauptbahnhof blockiert und dadurch verhindert worden (Pressebericht).
Deshalb drohten die Nazis damals, gleich zwei Mal wiederkommen zu wollen – am 24. und am 31. Dezember.
Braunes Kasperletheater
Doch den großspurigen Drohungen folgten – wie das antifaschistische Watchblog „NRW rechtsaußen“ berichtete – massive Zwistigkeiten in der nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Naziszene ob des gewählten Aufmarschtermins (Blogbericht).
Die geplanten Naziaufmärsche wurden zunächst abgemeldet. Dann wurde der Aufmarsch für den 24. Dezember wieder angemeldet – von Silvester war auf einmal keine Rede mehr. Dann wurde die neu angemeldete Demonstration polizeilich verboten – unter anderem, weil der neue Aufmarsch-Anmelder sich (so die Bielefelder Polizei) einfach nicht zurückmelden würde. Schließlich wurde sie wieder erlaubt.
Ein braunes Kasperletheater – für das die Nazis nun eine ebenso deutliche wie verdiente Quittung erhalten haben.
Unser Respekt gilt den Menschen, die sich trotz des winterlich-weihnachtlichen Aufmarschtermins entschieden gegen die Nazis positioniert haben. Chapeau!
Presse:
Neue Westfälische: „6.500 Bielefelder demonstrieren gegen Neonazi-Aufmarsch“ (24.12.11)
Neue Westfälische: „Neonazi-Marsch nur ein brauner Fleck“ (27.12.11)
More information:
Homepage des antifaschistischen Bündnisses „Bielefeld stellt sich quer“
Telgte – Strafanzeige gegen rechte Propaganda
Doch damit nicht genug:
In Telgte hatten Mitte Dezember Neonazis ihre braune Propaganda plakatiert– unter anderem auch am dortigen Schulzentrum. Die Nazis wollten damit vor allem Jugendliche für einen geplanten Naziaufmarsch in Münster im Frühjahr 2012 werben. Doch die Plakate verschwanden zügig – und die Stadt erstattete umgehend Anzeige gegen die Urheber_innen, die offenbar aus Münster und wahrscheinlich auch aus dem Kreis Warendorf stammen (Bericht der Ahlener Zeitung).
So bestätigten Antifaschist_innen aus Münster auf Nachfrage, dass dortige Neonazis die Plakatieraktion auf ihrer Internetseite zunächst breit beschrieben und bejubelt hätten – um kurze Zeit später (offensichtlich aufgrund der Anzeige) den ursprünglichen Aktionsbericht durch einen nüchternen Miniartikel zu ersetzen. Währenddessen schimpften Nazis aus dem Kreis Warendorf auf ihrer Internetseite über die vermeintliche „Ungerechtigkeit“.
Presse:
Ahlener Zeitung: „Anzeige wegen rechter Parolen – Staatsschutz informiert“ (16.12.11)
Radio WAF: „Telgte: Politik gegen Rechts“ (20.12.11)
Alles in allem also wirklich kein gelungener ‚Jahresabschluss für die regionale Neonaziszene.
So wird das nichts mit dem dort ersehnten neuen, nationalsozialistischen Reich!
… was nun wirklich kein Grund zur Traurigkeit ist.
2 Antworten auf „Regionale Nazis: Verhagelter Jahresabschluss (aktualisiert)“