Am Samstag, den 06.03.2010 fand in Beelen (Kreis Warendorf) eine Stolpersteinverlegung für die Familie Baer statt. Die jüdische Familie sah sich unter dem nationalsozialistischen Wahnregime gezwungen, ihrem Zuhause den Rücken zu kehren und auszuwandern. Organisiert hatte die Verlegung des Stolpersteins die Initiative „Aktiv gegen Rassismus (AgR)“ Beelen.
Im Folgenden dokumentieren wir den Redebeitrag des Netzwerks gegen Rechtsextremismus Kreis Warendorf anläßlich der Feierlichkeiten. Bericht folgt.
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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde
wir vom Netzwerk gegen Rechtsextremismus Kreis Warendorf freuen uns, dass wir auf Einladung von „Aktiv gegen Rassismus“ heute diese Rede halten dürfen.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir heute wohl die jüngsten TeilnehmerInnen an dieser Veranstaltung stellen, wollen wir im Folgenden auf die Gegenwart und die Zukunft des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eingehen.
Wir als Netzwerk haben uns 2007 gegründet und bestehen aus verschiedenen antifaschistischen Gruppen aus dem Kreis Warendorf mit dem Ziel, eine kontinuierliche Arbeit gegen Rassismus, Faschismus und Antisemitismus vor Ort zu gewährleisten.
Bevor wir nun unseren Blick auf die Gegenwart richten, möchten wir die Wichtigkeit betonen, mit den Stolpersteinen den Opfern des Nationalsozialismus rückwirkend ihre Namen wiederzugeben. Die Vernichtungspolitik des NS-Regimes beschränkte sich nicht nur darauf, Jüdinnen und Juden auszugrenzen, zu entrechten, zu versklaven und zu vernichten, sondern auch aus dem Versuch, ihnen ihre Menschlichkeit zu nehmen.
Durch die Verlegung der Stolpersteine versuchen wir nun, den Opfern zu gedenken und die Erinnerung an ihre Namen und ihr Leben wachzuhalten.
Wir sind uns jedoch bewusst, dass Geschichte immer auch benutzt wird, um politische Konflikte in der Gegenwart auszutragen. Darüber sollten wir uns keine Illusionen machen.
Die Frage ist jedoch, inwiefern die Erfahrungen aus der Zeit des NS in der Gegenwart gedeutet und genutzt werden.
Wird Geschichte beispielsweise dafür genutzt, deutsche SoldatInnen mit gutem Gewissen in Kriege zu schicken, weil man in diesem Lande angeblich die Vergangenheit vorbildlich und wie nirgends anders „bewältigt“ habe und so die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen habe?
Oder versuchen wir, anknüpfend an den Schwur von Buchenwald „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ uns weiterhin kritisch mit den gegenwärtigen Verhältnissen auseinander zu setzen?
Zu diesen Verhältnissen zählen wir zum einen die Verbreitung rechtsradikaler Ansichten in Teilen der deutschen Gesellschaft. Dabei sticht vor Ort vor allem das akute Naziproblem in Ahlen hervor. Erst letzte Woche versammelte sich eine Gruppe von 50 Nazis in der Ahlener Innenstadt, um in aller Öffentlichkeit dem Todestag Horst Wessels zu gedenken. Dies verdeutlicht uns die Notwendigkeit unseres Engagements, da die Proteste gegen die örtliche Naziszene – trotz fast wöchentlichem Auftreten der Nazis – bis jetzt keine große Unterstützung in der Bevölkerung gefunden haben.
Zum anderen zeichnen sich die von uns kritisierten Verhältnisse dadurch aus, dass in den letzten Monaten im großen Stile Abschiebungen von Roma in den Kosovo stattfinden sollten.
Gerade die Bevölkerungsgruppe der Roma, die bereits im NS verfolgt, deportiert und ermordet wurde, leidet nun unter der zunehmenden Schwächung des Rechtes auf Asyl und der rigorosen Abschiebepolitik. Das Asylrecht wurde ursprünglich als eine Konsequenz aus dem Schicksal der Verfolgten während des Nationalsozialismus eingeführt. Vielen Verfolgten war die Flucht vor dem deutschen Rassenwahn nicht möglich, da etliche andere Länder ihnen keine Zuflucht gewähren wollten.
Diese zwei von uns dargestellten Aspekte stellen jedoch nur einen Bruchteil der heutigen Verhältnisse in Deutschland dar und werfen die Frage auf, inwiefern hierzulande tatsächlich die Vergangenheit vorbildlich bewältigt wurde, wie gerne behauptet wird.
Doch das was gewesen ist, kann niemals einfach bewältigt oder abgeschlossen werden.
Beenden möchten wir unsere Rede mit dem zweiten Teil des Schwurs von Buchenwald, den die befreiten KZ-Häftlinge im April 1945 verkündeten: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“