Archiv der Kategorie 'Ostbevern'

Everswinkel / Telgte: Der doppelte Wagenfeld

„Was ich da an Eindrücken gewonnen habe, hat mir die unbedingte Notwendigkeit klar gemacht, dass ich, wenn meine Lebensarbeit nicht geschädigt werden soll, unbedingt der N.S.D.A.P. beitreten muss. […] Dass das keinen Gesinnungswandel bedeutet, wissen Sie. Wer in mir einen Konjunkturjäger sehen sollte, dem schlage ich […] in die Fresse.“1

„Heimat“dichter, Mitbegründer des „Westfälischen Heimatbundes“, Brauchtumsforscher: Karl Wagenfeld ist sicherlich nach wie vor eine der bekanntesten westfälischen Dichterpersönlichkeiten. Der in Lüdinghausen geborene, in Drensteinfurt aufgewachsene und in Münster tätige Wagenfeld stand dabei lange Zeit in hohem Ansehen. Davon zeugen auch die über 70 Straßen, Wege und Plätze überall in Westfalen, die nach ihm benannt wurden. In verschiedenen Städten tragen sogar Schulen seinen Namen – unter anderem in Oelde und Münster.

Doch dieses Ansehen bröckelt, seit die engen Verflechtungen Wagenfelds mit dem NS immer mehr an die breite Öffentlichkeit dringen:

Wagenfeld unterstützte öffentlich das nationalsozialistische Regime und förderte aktiv das Bündnis von Heimatbewegung und Nationalsozialismus. Umgekehrt ehrten und finanzierten die Nazis den glühenden Rassisten Wagenfeld und seine Arbeit.

Umbenennen? Hinweisen? Ignorieren? Diskutieren?

Städte wie Neuenkirchen und Metelen, Hamm oder Ostbevern (wir berichteten) haben ihre Wagenfeld-Straßen schon umbenannt. In Drensteinfurt oder Horstmar beispielsweise weist inzwischen ein zusätzliches Schild auf die Schattenseiten des Dichters hin. Sowohl in Wagenfelds Geburtsstadt Lüdinghausen als auch in Wettringen will man diesem Beispiel folgen. In Sendenhorst wird noch diskutiert (wir berichteten) – ebenso in Münster.

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Antifaschistisches Netzwerk präsentiert Doppel-CD gegen Nazis und Rassismus


Buuh! Nazis erschrecken!!!

Nazis erschrecken. Nazis verbreiten Gewalt, Mord und Totschlag. Ihre menschenverachtende Ideologie fußt von A bis Z auf Diskriminierung und Ausgrenzung – bis hin zum Wunsch nach Vernichtung aller, die nicht in ihr Weltbild passen. Menschenrechte, Individualismus, Liberalismus, Sozialismus und Demokratie sind daher Nazis größte Feinde.

Insane in the brain!

Auch im Kreis Warendorf kommt es zu rechten Gewalttaten und Propagandaaktionen. Das wir so was nicht kommentarlos zulassen ist doch Ehrensache.

Krachender SkaMetalPunk gegen Rechts – Jetzt gibt’s was auf die Ohren!

Und dieses mal hatten wir ganz viel Hilfe: Sage und schreibe 39 Bands haben für diesen Doppelsampler Songs gegen Nazis und für eine bessere Welt kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch unser Mensch fürs Layout hat (wieder mal) ganz ganz Großartiges geleistet. Dafür allen Beteiligten ein allerherzlichstes und riesiges

Dankeschöööööööööööööööööööööön!!

Weil Menschen wichtig sind und nicht Nationen geht es musikalisch auf der Compilation sehr international zu: Die Tracks stammen aus Estland, Italien, Frankreich, USA, Portugal, Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Österreich, Griechenland und Spanien!

Guter Stoff!!

Im CD-Booklet findet sich ein Reader zum Thema: Wir beleuchten die Naziaktivitäten und -strukturen im Kreis und zeigen exemplarisch auf, wo man sich lokal wie überregional kritisch informieren, organisieren und beraten lassen kann.

Den Reader gibt’s übrigens auch online, z. B. hier auf unserer Homepage.

Von Nazis nicht erschrecken lassen!

Ihr wollt das Teil haben?

Dann los und hier bestellen!

ALERTA ALERTA ANTIFASCISTA!!!

Ostbevern: Karl-Wagenfeld-Weg wird umbenannt

Während Sendenhorst derzeit noch um seine „Karl-Wagenfeld-“ und seine „Carl-Diem-Straße“ diskutiert (wir berichteten), macht man in Ostbevern derweil Nägel mit Köpfen: Der nach dem überzeugten Rassisten und „Heimat“dichter benannte „Karl-Wagenfeld-Weg“ soll zukünftig „Bernhard-Thüssing-Weg“ heißen – so ein Artikel der Ahlener Zeitung.

Wir meinen: Das ist gut so!

Wer war Karl Wagenfeld?

Der 1869 in Lüdinghausen geborene und 1939 in Münster verstorbene Wagenfeld wuchs in Drensteinfurt auf. Der gelernte Volksschullehrer war Mitbegründer des „Westfälischen Heimatbundes“ im Jahr 1915, später auch Geschäftsführer sowie Vorsitzender des Vereins. Heute ist der „Westfälische Heimatbund“ mit Sitz in Münster der Dachverband der ca. 530 lokalen Heimatvereine und der ca. 650 ehrenamtlichen Ortsheimatpfleger in Westfalen und hat – laut seiner Homepage – ca. 130.000 Mitglieder.

Wagenfeld war darüber hinaus als Dichter zahlreicher Werke in plattdeutscher Sprache tätig und gilt als westfälischer „Heimat-“ und Brauchtumsforscher.

Karl Wagenfeld war überzeugt von einer angeblichen Existenz von „höher-“ und „minderwertigen Rassen“ und begrüßte die Machtübernahme der Nationalsozialist_innen als Erfüllung der Ziele der westfälischen Heimatbewegung.

Das „Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren“ zitiert abschließend Rainer Schepper zum Menschen- und Weltbild von Karl Wagenfeld:

„Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in ‚Krüppel- und Idiotenanstalten‘, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistige Minderwertige.

Es ist jenes Menschenbild, das der Nationalsozialismus zur Errichtung seiner Ideologie vom Herrenmenschen und Untermenschen, zum Erlaß der Nürnberger Gesetze vom 16. September 1935, zur Euthanasie geistig und psychisch kranker Menschen, zum Kampf gegen alles ‚Artfremde‘, zum Krieg gegen ‚Frankreichs Haß‘ und ‚Polens Gier‘ benötigte und benutzte.“

Karl Wagenfeld zu Ehren und Gedenken sind zahlreiche Straßen, Wege und Plätze überall in Westfalen nach ihm benannt worden. In diversen Städten tragen sogar Schulen seinen Namen – unter anderem in Oelde und Münster.

Hintergrund und Quellen:

Westfälische Nachrichten: „Umstritten. Kein ehrenwerter Mann – Karl Wagenfeld auf zahlreichen Straßennamen“ (18.02.11)

Westfälischer Anzeiger: „Streit um Straßennahmen: Warnung vor `fragwürdigen Ehrungen´“ (12.07.11)

Ahlener Zeitung: „Thüssing statt Wagenfeld: Weg wird umbenannt“ (09.12.11)

Wikipedia: Karl Wagenfeld

Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750-1950: Karl Wagenfeld

Stefan Werding: „Zu viel Ehre für Karl Wagenfeld?“ aus: Westfalenspiegel Heft 1/2011 (PDF, 2 Seiten)