Diese Chronik soll einen Überblick über rechte Strukturen, Übergriffe und Aktivitäten im Kreis Warendorf geben. Sie wurde von Mitgliedern des „Antifaschistischen Netzwerks Kreis Warendorf“, einem Zusammenschluss verschiedener antifaschistischer Gruppen, verfasst und soll Fakten aus dem Kreis Warendorf mit weitergehenden Hintergrundinformationen über die extrem rechte Szene allgemein verbinden.
Im Kreis Warendorf kommt es – jahrelang weitgehend unbeachtet von Öffentlichkeit und Politik – immer wieder zu Vorfällen mit extrem rechtem Hintergrund. Bei nicht wenigen davon handelt es sich um neonazistische Gewalttaten: Neben Einschüchterungsversuchen und verbalen Attacken beinhaltet dies auch gewalttätige Übergriffe, die bislang insbesondere gegen politisch Andersdenkende verübt wurden.
In dieser Chronik werden viele dieser Vorfälle und einige Gewalttaten aus den letzten Jahren geschildert. Die tatsächliche Anzahl der Vorfälle und Gewalttaten mit extrem rechtem Hintergrund kann höher sein, weil sich vermutlich einige unseren Kenntnissen entziehen.
Diesbezügliche Hinweise nehmen wir unter netzwerk.waf@web.de gerne entgegen.
Nazis und Angriffe von ihnen sind gefährlich, aber nicht das einzige Problem. Sie entstehen nicht im luftleeren Raum. Rassismus ist eine der ideologischen Grundlagen neonazistischer Aktivitäten, ist aber darüber hinaus in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Daher wollen wir dem Thema zu Beginn der Cronik noch ein paar Zeilen widmen.
Rassismus zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen. Zum einen spiegelt er sich in Gesetzen und staatlichen Maßnahmen. Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus (mit Duldung) unterliegen beispielsweise einer so genannten Residenzpflicht, welche ihnen verbietet, ihren Landkreis ohne Erlaubnis zu verlassen. Zudem erhielten Flüchtlinge jahrelang keine Arbeitserlaubnis. Sie erhalten weniger Sozialgelder und leben oftmals in ständiger Angst, abgeschoben zu werden.
Aktuell droht den hier lebenden, bürgerkriegsflüchtigen Roma aus dem Kosovo und ihren Nachkommen derzeit die Abschiebung in das Kosovo. Viele von ihnen sind hier geboren, haben ihre angebliche “Heimat” nie gesehen und sprechen die dortige Sprache nicht. Ihnen droht ein Leben in Armut und die ständige Angst vor zum Teil tödlich endenden rassistischen Angriffen.
Zum anderen ist Rassismus in allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen verwurzelt und findet sich in unseren alltäglichen Umgangsformen und Verhaltensweisen. Ob bei der Wohnungssuche, auf dem Arbeitsmarkt, beim Einkaufen oder im Bus: Menschen, die nicht in das Klischeebild eines idealen Deutschen passen, werden häufig mit Vorurteilen, Anfeindungen und Benachteiligungen konfrontiert.
Unserer Ansicht nach reicht es deshalb nicht, sich lediglich gegen Nazis zu engagieren – auch wenn das notwendig und wichtig ist. Wir alle sind in rassistischen Strukturen aufgewachsen und haben gelernt, rassistisch zu denken. Häufig fällt es uns nicht einmal auf, dass bestimmte Denkweisen und Vorstellungen rassistisch sind. Ein bekanntes Beispiel ist die Unterstellung, dass schwarze Menschen besser tanzen könnten als andere, weil ihnen das Tanzen „im Blut liegt“. Sich kritisch mit Rassismus zu befassen beinhaltet deshalb u. a. auch, sich mit den eigenen, gelernten und verinnerlichten Rassismen auseinanderzusetzen (Linktipp).
In den folgenden Kapiteln soll es jedoch vor allem um extrem rechte Organisationen und Organisationsversuche im Kreis Warendorf sowie deren Aktivitäten gehen. Zudem findet sich in der Chronik eine ausführliche – wenn auch nicht vollständige – Chronologie extrem rechter Vorfälle in der Region. Aktivitäten, die wir einer spezifischen Gruppe zuordnen können, finden sich auf der jeweiligen Unterseite „NPD“ oder „Parteilose Naziorganisationen“, unter „Berichte“ findet sich eine komplette Aufzählung von allen Vorfällen.
(Stand der Chronik: Oktober 2010 – wird demnächst aktualisiert)